Brauche ich eine EPR-Nummer? Der 2-Minuten-Check für Onlinehändler

Packlotse-Truck an der Grenze (Bild KI-generiert)

Die kurze Antwort: Wenn Sie verpackte Ware an Privatkunden in der EU verschicken, lautet sie fast immer ja. Die längere Antwort hängt von drei Fragen ab.

Frage 1: Verschicken Sie an Endverbraucher?

Wenn Ihre Pakete bei Privatpersonen landen, sind Sie in der Regel im Bereich der Haushaltsverpackungen — und damit registrierungspflichtig. Bei reinem B2B-Versand greifen teils andere Systeme, etwa in Belgien Valipac statt Fost Plus. Befreit sind Sie damit aber selten.

Frage 2: In welche Länder versenden Sie?

Entscheidend ist nicht Ihr Firmensitz, sondern das Zielland. Wer aus Deutschland nach Frankreich, Österreich oder Polen versendet, wird dort zum registrierungspflichtigen Inverkehrbringer. Bei fünf Zielländern brauchen Sie also fünf Registrierungen — und in einigen Ländern zusätzlich einen Bevollmächtigten vor Ort.

Frage 3: Wie viel verschicken Sie?

Das ist die Frage, die die meisten falsch beantworten. Für Verpackungen gibt es in fast allen EU-Ländern keine Bagatellgrenze. Schon das erste befüllte Paket löst die Pflicht aus. Vereinzelt gibt es Erleichterungen — Malta etwa hat ein vereinfachtes Verfahren unter 100 kg Verpackung pro Jahr, die Slowakei erlässt unter 100 kg den Vertrag mit einer Produzentenorganisation. Die Registrierung selbst bleibt aber auch dort bestehen.

Und was ist mit meinem Sortiment?

Verpackung betrifft jeden. Zusätzliche Register kommen dazu, wenn Sie verkaufen:

  • Elektronik — WEEE-Registrierung, in Deutschland bei der stiftung ear
  • Batterien — eigenes Register; Achtung, auch fest verbaute Akkus zählen
  • Textilien — in Frankreich (Refashion) und den Niederlanden bereits Pflicht
  • Möbel, Spielzeug, Sportartikel — in Frankreich je eigene IDU-Nummer

Was kostet das realistisch?

Deutlich weniger, als viele fürchten. Bei kleinen Mengen liegen die Jahreskosten pro Land oft zwischen 30 und 150 €: Die Registrierung ist meist kostenlos oder günstig, dazu kommen Lizenzentgelte nach Material und Gewicht. Frankreich bietet unter 10.000 Verpackungseinheiten eine Pauschale von 80 € pro Jahr. Teurer wird es in Ländern mit Mindestbeiträgen — Spanien etwa verlangt 250 € jährlich plus eine einmalige Aufnahmegebühr.

Das Risiko, es zu lassen

Listing-Sperren auf den Marktplätzen, Bußgelder bis 200.000 € in Deutschland, Strafabgaben etwa in Rumänien — und Abmahnungen durch Wettbewerber. Gemessen daran ist die Registrierung fast immer die günstigere Entscheidung.


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Fachinformation, keine Rechtsberatung.