Kennzeichnungspflicht: Welche Recycling-Logos auf Ihren Karton müssen

Versandlager mit gestapelten Kartons (Bild KI-generiert)

Es ist die Pflicht, die man erst bemerkt, wenn die Kartons schon gedruckt sind: In mehreren EU-Ländern müssen Verpackungen bestimmte Symbole tragen. Wer das übersieht, hat im schlimmsten Fall zehntausend unbrauchbare Kartons im Lager.

Frankreich: Triman und Info-tri

Das strengste Regime. Auf Haushaltsverpackungen müssen zwei Dinge stehen: das Triman-Logo (die Figur mit den drei Pfeilen) und die Info-tri, ein Sortierhinweis, der erklärt, welche Bestandteile in welche Tonne gehören. Rechtsgrundlage ist Artikel L541-9-3 des Umweltgesetzbuchs, eingeführt durch die Loi AGEC.

Wichtig für Versandhändler: Die Pflicht trifft auch den Versandkarton, nicht nur die Produktverpackung. Wo das Aufdrucken unmöglich ist, erlaubt Frankreich die Angabe auf Begleitdokumenten in Kombination mit einer Darstellung im Onlineshop. Die konkrete Info-tri erhalten Sie von Ihrem Rücknahmesystem; ab deren Veröffentlichung haben Sie zwölf Monate Zeit zur Umsetzung, plus sechs Monate Abverkaufsfrist für Bestände.

Kurios am Rande: Die EU-Kommission hält den Triman für ein Hindernis im Binnenmarkt und hat Frankreich deswegen vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. Bis zu einer Entscheidung gilt die Pflicht unverändert.

Italien: Materialcode plus Entsorgungshinweis

Italien verlangt seit 2023 die etichettatura ambientale: Jede Verpackungskomponente braucht den Materialcode nach der EU-Entscheidung 97/129/EG — also etwa „PAP 20" für Wellpappe oder „PET 1" für die entsprechende Kunststoffflasche. Bei Verpackungen für Endverbraucher kommt ein Entsorgungshinweis in italienischer Sprache dazu.

Spanien, Portugal, Bulgarien

Spanien und Portugal verlangen Sortiersymbole, die dem Verbraucher die richtige Tonne zeigen. In Bulgarien ist der Materialcode seit Anfang 2022 Pflicht; das früher verbreitete „Tidyman"-Symbol (die Figur, die Abfall in den Eimer wirft) ist dagegen seither freiwillig — ein Detail, das viele Übersichten falsch wiedergeben.

Wo Sie nichts drucken müssen

In Deutschland gibt es keine Pflichtkennzeichnung für Verpackungen. Der Grüne Punkt ist seit Jahren freiwillig und sagt nichts über Ihre Compliance aus. Auch die meisten nord- und osteuropäischen Länder verlangen für Verpackung keine Symbole.

Achtung, häufige Verwechslung: Für Elektrogeräte gilt fast überall die durchgestrichene Mülltonne, und Batterien tragen eigene Symbole. Diese Pflichten haben mit der Verpackungskennzeichnung nichts zu tun und gelten unabhängig davon.

2028: Ein Symbol für alle

Die PPWR beendet den Flickenteppich — allerdings erst mit Übergangsfrist. Ab dem 12. August 2028 müssen Verpackungen EU-weit harmonisierte Piktogramme zur Materialzusammensetzung tragen; wo sinnvoll, kommen Sortier- und Wiederverwendungshinweise sowie QR-Codes dazu. Nationale Alleingänge wie der Triman laufen dann aus — Mitgliedstaaten dürfen keine eigenen Label mehr zusätzlich verlangen.

Was das für Ihre Kartonbestellung bedeutet

Zwei Phasen, zwei Strategien. Bis 2028 gelten die nationalen Regeln: Wer nach Frankreich, Italien, Spanien, Portugal oder Bulgarien versendet, muss dort kennzeichnen. Wer Kartons in großen Auflagen bedruckt, sollte die Symbole jetzt einplanen — oder mit neutralen Kartons und aufgeklebten Etiketten arbeiten, die sich ohne Neuauflage anpassen lassen.

Ab 2028 ersetzt das EU-Piktogramm die nationalen Logos. Wer heute eine mehrjährige Kartonauflage plant, kalkuliert diesen Wechsel besser mit ein.


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