Die meisten Händler erledigen die Verpackungsregistrierung, atmen auf — und übersehen, dass ihr Sortiment zwei oder drei weitere Register auslöst. Die Marktplätze prüfen diese getrennt. Ein sauber registrierter Verpackungs-Händler kann also trotzdem gesperrt werden, weil die WEEE-Nummer fehlt.
Elektro (WEEE): Alles mit Stecker, Kabel oder Akku
Die Elektro-Registrierung trifft mehr Produkte, als viele denken. Nicht nur Fernseher und Laptops: Auch beleuchtete Deko, Küchenhelfer mit Motor, USB-Kabel, Powerbanks, Bluetooth-Zubehör und Spielzeug mit Elektronik fallen darunter.
In Deutschland führt der Weg über die stiftung ear, die eine WEEE-Nummer vergibt — ein eigenes Verfahren, unabhängig von LUCID, mit eigener Garantiepflicht für B2C-Geräte. Andere Länder haben eigene Register; in Malta etwa verlangt die Behörde für Elektro-Fernabsatz schon länger einen Bevollmächtigten, während sie ihn für Verpackung lange nicht forderte.
Dazu kommen Pflichten jenseits der Registrierung: die durchgestrichene Mülltonne auf dem Gerät, Rücknahmeangebote und in Deutschland die Registrierung vor dem ersten Inverkehrbringen — Verstöße sind hier ausdrücklich bußgeldbewehrt.
Batterien: Die Falle mit dem fest verbauten Akku
Der häufigste blinde Fleck im ganzen EPR-Komplex. Viele Händler wissen, dass lose Batterien registrierungspflichtig sind. Weniger bekannt: Auch ein fest eingebauter Akku macht Sie zum Batterie-Inverkehrbringer — zusätzlich zur Elektro-Registrierung, in einem separaten Register.
Betroffen ist damit praktisch jedes Gerät mit Ladefunktion: kabellose Kopfhörer, Lampen mit Akku, beleuchtete Spiegel, elektrische Zahnbürsten, Spielzeug mit Knopfzelle. Wer nur eines dieser Produkte im Sortiment hat, braucht die Registrierung.
Textil: Die Kategorie, die gerade wächst
Frankreich hat mit Refashion das älteste Textil-EPR-System Europas; die Niederlande zogen nach. Weitere Mitgliedstaaten arbeiten an eigenen Regelungen, weil die EU-Abfallrahmenrichtlinie sie dazu verpflichtet.
Betroffen sind nicht nur Modehändler: Auch Taschen, Heimtextilien, Bettwäsche und teils Schuhe fallen unter die Kategorie. Wer Merchandise mit T-Shirts verkauft, ist dabei.
Frankreich als Sonderfall: über 20 Kategorien
Kein anderes Land differenziert so weit. Neben Verpackung, Elektro, Batterien und Textil gibt es eigene Filières für Möbel, Spielzeug, Sportartikel, Heimwerker- und Gartengeräte, Druckerzeugnisse, Chemikalien und weitere. Jede Kategorie bedeutet eine eigene IDU-Nummer, ein eigenes Rücknahmesystem und eine eigene Meldung.
Ein Händler mit gemischtem Sortiment — sagen wir: Deko-Lampen, Kissen und ein Katalog — braucht in Frankreich schnell vier Registrierungen statt einer.
Wie Sie herausfinden, was Sie brauchen
Gehen Sie Ihr Sortiment einmal systematisch durch und stellen Sie drei Fragen:
- Hat es Strom? Stecker, Kabel, Batteriefach, Ladebuchse, Solarzelle — dann Elektro-Register.
- Ist eine Zelle drin? Auch fest verbaut, auch Knopfzelle — dann Batterie-Register.
- Ist es aus Stoff? Kleidung, Taschen, Heimtextilien — dann Textil prüfen, zumindest für Frankreich und die Niederlande.
Diese Prüfung dauert eine halbe Stunde und erspart im Zweifel eine Listing-Sperre, die Sie Wochen kostet.
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